Zurück nach Süden

Wir fahren von autoposto zu autoposto. Vorbei an Orten, die uns in guter Erinnerung geblieben sind. Eine Tankstelle im Süden Bahias, an der uns ein netter Mechaniker eine leckere Papaya vom Baum gepflückt hat. Zurück zum wunderschönen Strand in Setiba, wo das Wasser bei Flut über der Sandbank zusammen kommt. Wir übernachten am Meer und treffen Konrado wieder, der sich über unsere Rückkehr freut.

Es gibt so vieles, was wir nicht gesehen haben, aber wer kann schon behaupten, alles gesehen zu haben. Die Hauptstadt Brasilia wäre sicher noch sehenswert. Juscelino Kubitschek hat sie zusammen mit Oscar Niemeyer geplant. Weiter nach Norden, wo es wilder wird und tropischer. Vielleicht an die Grenze nach Französisch Guayana, wo vodoo lebendig wird…

Brasilien ist so unbeschreiblich groß, die Straßen so unbeschreiblich mies, dass man mit dem Auto ständig Zwischenstopps braucht. Zum Reifenwechsel, zum Ausruhen, zum Duschen. Das Land ist übersäht von Raststätten, an denen sich die Freizeit der Fernfahrer abspielt. Die Kinder finden die Greifautomaten schick, aus denen man Kuscheltiere holen kann. Ein netter Bahianer hat ihnen aus Mitleid eins geschenkt. Seitdem wechsn sie sich mit dem Haifisch Tag für Tag ab. Es treffen sich dann Trucker und Urlauber und oft findet man Gelegenheit zum Gespräch. Die beiden Trucker, die sich beim fahren abwechseln, um mehr Strecke zu schaffen verdienen jeweils 250euro pro Monat.

Das Geräusch der postos ähnelt dem Rauschen, des hinteren Gesichtsmuskels, wenn man die Augen ganz fest verschließt. Immer ist irgendein Schwerlastfahrzeug, das ankommt, losfährt, rangiert, zum Reifenwechsel fährt. ein beständiges Brummen liegt in der Luft. Das Rauschen des Meeres dagegen klingt eher wie wie das beständige Krachen des ganzen Lebens.

So oder so, man erlebt immer wieder sich selbst, man reist mit seinen eigenen Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen. Das ermöglicht, gleichmütig, unabhängig von den Gegebenheiten und Umständen einfach weiter zu reisen.

Dann wiederum trifft man jemanden und alles ist anders. Das eigene Leben verändert sich erst mit der Anteilnahme am Leben der anderen. Würden wir nicht in Deutschland so viele Menschen haben, zu denen zurückzukehren es sich lohnt, wir könnten auch in Brasilien bleiben.

Meine Frage ist, was ist das für ein Land, in das wir da zurückkehren? Vieles hat sich augenscheinlich verändert, Grundrechte im Handstreich außer Kraft gesetzt, bildungs- und Kulturverantwortung völlig aus dem Blick verloren. Bleibt bloß so lange, wie ihr könnt, sagen unsere Freunde. Hat sich das Land verändert? Ich glaube eigentlich nicht. Die Ausweitung sozialer Kontrolle durch verwaltungs- und technische Maßnahmen empfinde ich eher als Ausdruck einer alten Veranlagung. Wohnblöcke und einzelpersonen unter Quarantäne, Einreiseverbot in andere bundesländer, drakonische Ordnungsgelder bis hin zur strafverfolgung, ist das eigentlich verhältnismäßig? Und wo ist das Heer von Rechtsanwälten, die Verfassungsbeschwerde einreichen?

Ein Gedanke zu „Zurück nach Süden“

  1. Hallo ihr lieben, einiges hat sich verändert hier. Nicht nur zum negativen. Es ist etwas mehr trankilo, schreibt man das so?, geworden.

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